{"id":70,"date":"2012-09-26T18:53:49","date_gmt":"2012-09-26T16:53:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wege-zum-aufstieg.info\/blog\/?page_id=70"},"modified":"2013-06-01T07:31:28","modified_gmt":"2013-06-01T05:31:28","slug":"der-mensch-und-die-beseeltheit-der-natur","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wege-zum-aufstieg.info\/blog\/info\/der-mensch-und-die-beseeltheit-der-natur\/","title":{"rendered":"Der Mensch und die &#8222;Beseeltheit&#8220; der Natur"},"content":{"rendered":"<p>Es ist bekannt, dass alle V\u00f6lker zu Zeiten an Geistwesen glaubten, die sie in der Natur wahrnahmen. Sie suchten bei diesen Hilfe, verehrten sie, erwarteten von ihnen Fruchtbarkeit und Wohlstand und versuchten sie auf verschiedene Art und Weise milde zu stimmen. In Europa endete diese Art der Wahrnehmung der Natur, die man auch als Naturreligion bezeichnen kann und wissenschaftlich als Animismus oder Schamanismus beschrieben wird, mit der allgemeinen Christianisierung. Reste dieser Erfahrungen fanden Eingang in M\u00e4rchen, Sagen und Legenden. Auch im Brauchtum (Perchtenl\u00e4ufe, Flurumg\u00e4nge, Heiligenanrufungen) sind Spuren davon erhalten. Besonders lebendig geblieben sind diese Traditionen im Norden Europas, vor allem in Island und Irland, doch auch in Norwegen und Schweden ist die Erinnerung an die \u201eTomtes\u201c und \u201eTrolle\u201c im kulturellen Bewusstsein relativ wach. Au\u00dferhalb Europas ist ja in Afrika, Lateinamerika und Asien der Glaube an Geistwesen in der Natur noch heute \u00fcberaus weit verbreitet.<\/p>\n<p>Ebenso\u00a0 bekannt ist, dass es zu allen Zeiten Personen gab, die nach ihren eigenen Schilderungen die Natur als beseelt erlebten. Zur Zeit der Inquisition waren diese in Europa den Angriffen seitens der Kirche besonders ausgesetzt,\u00a0 w\u00e4hrend sie bis in die heutige Zeit mit Unverst\u00e4ndnis rechnen m\u00fcssen, sofern sie nicht sogar gesellschaftliche \u00c4chtung zu f\u00fcrchten haben.<\/p>\n<p>Hingegen gibt es bedeutende kulturelle Zeugnisse, dass die Welt der Naturgeister auch in Europa unter der christlichen Oberfl\u00e4che nie ganz verschwand. In Shakespeares \u201eSommernachtstraum\u201c und Goethes \u201eFaust\u201c fanden die Legenden um die Geister-, Feen- und Elfenwelt Eingang in die Weltliteratur. Durch die Bewegung der Romantik im 19. Jahrhundert kam es mit der Renaissance der M\u00e4rchen auch zu einer breiten Wiederbelebung dieser Ideen, die somit Eingang fanden auch in die Philosophie sowie in verschiedenste Bereiche der Kunst. Und noch bis heute bleibt diese Welt der zarten Wesen der Natur f\u00fcr viele Menschen ein Objekt der Tr\u00e4ume und der Sehnsucht.<\/p>\n<p>Desungeachtet passten Naturgeister weder in die Anschauung christlicher Amtskirchen noch in das sich im 19. Jahrhundert ebenfalls voll auspr\u00e4gende wissenschaftliche Weltbild. Und bis heute, obwohl das Religionsmonopol der Kirchen aufgebrochen ist und das materialistische Weltbild durch die Erforschung der Quantenphysik l\u00e4ngst tiefe Risse bekommen hat, steht die \u00d6ffentlichkeit weitgehend skeptisch und hilflos Menschen gegen\u00fcber, die f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, Naturwesen sehen und mit ihnen kommunizieren zu k\u00f6nnen. Die Skepsis r\u00fchrt in den meisten F\u00e4llen daher, dass das Erleben dieser Wenigen nicht in das naturwissenschaftliche Weltbild der Gegenwart eingeordnet werden kann. Noch nie jedoch hat sich eine Ablehnung, die nicht aus sachlichen, sondern rein ideologischen Gr\u00fcnden erfolgte, als dauerhaft haltbar erwiesen. Was es auch war, das heliozentrische Weltbild oder die Einsicht von der Unrechtm\u00e4\u00dfigkeit der Sklaverei, die zahlenm\u00e4\u00dfige Unterlegenheit der \u201eSehenden\u201c im Verh\u00e4ltnis zu den \u201eNichtsehenden\u201c hat auf lange Sicht das \u201eEinsehen-M\u00fcssen\u201c der Mehrheit noch nie verhindern k\u00f6nnen! So wird auch in diesem Fall kein Weg daran vorbei f\u00fchren, sich mit dem Erleben von Menschen, die tiefer zu blicken verm\u00f6gen als nur bis zur stofflichen Oberfl\u00e4che, sachlich auseinander zu setzen.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns: Vor wenigen Jahrzehnten noch wurden auch Umwelt- und Natursch\u00fctzer als weltfremde Schw\u00e4rmer betrachtet. Heute erkennen doch weite Teile der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der \u00d6ffentlichkeit, wie bitter ernst die Anliegen der Natur genommen werden m\u00fcssen, um ein \u00dcberleben der Menschheit zu erm\u00f6glichen. Das Beklagen der vertanen Chancen seit den 1980er Jahren kommt heute zu sp\u00e4t und ist m\u00fc\u00dfig; aber umso notwendiger ist es nun, in die Zukunft zu blicken! Wenn sich nun, um \u201ef\u00fcnf nach zw\u00f6lf\u201c, in den Menschen endlich doch noch die Erkenntnis durchsetzen w\u00fcrde, dass ihnen in der Natur ein vernunftbegabtes Gegen\u00fcber zur Verf\u00fcgung steht, mit dem die vor uns liegenden Probleme partnerschaftlich und im w\u00f6rtlichen Sinne im Dialog gel\u00f6st werden k\u00f6nnten \u2013 welche M\u00f6glichkeiten w\u00fcrden sich dadurch er\u00f6ffnen! Selbstverst\u00e4ndlich wird dann aber auch die Forderung an uns herantreten, den menschlichen Herrschaftsanspruch aufzugeben und der Natur und ihren Wesen die ihnen zustehenden Rechte einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>Der Elfenfreund \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Oktober 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist bekannt, dass alle V\u00f6lker zu Zeiten an Geistwesen glaubten, die sie in der Natur wahrnahmen. 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