{"id":1914,"date":"2013-12-15T22:00:13","date_gmt":"2013-12-15T20:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wege-zum-aufstieg.info\/blog\/?page_id=1914"},"modified":"2014-04-20T22:29:33","modified_gmt":"2014-04-20T21:29:33","slug":"ursula-burkhard-zitiert","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.wege-zum-aufstieg.info\/blog\/autoren\/ursula-burkhard\/ursula-burkhard-zitiert\/","title":{"rendered":"Ursula Burkhard zitiert"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a name=\"ubz Dezember 2013\"><\/a><\/p>\n<p><strong>Dezember 2013<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>&#8222;Bild und Wesen<\/strong><\/p>\n<p>Da steht er nun vor mir auf dem Tisch, greifbar als kleine Gestalt aus Wachs. Wenn andere Menschen kommen und ihn sehen, sagen sie: \u201eDas ist ein Gnom.\u201c<\/p>\n<p>Ich m\u00fcsste mich eigentlich freuen dar\u00fcber, dass sie erkennen, was ich zu formen versuche. Die Begegnung mit einem wirklichen Gnom hat mich ja dazu angeregt. Aber da ist noch etwas Unbefriedigendes, das sich schwer in Worten sagen l\u00e4sst. Die Feststellung: \u201eDas ist ein Gnom\u201c stellt das Elementarwesen fest umrissen in unsere Welt hinein und macht die Wachsfigur zu etwas Endg\u00fcltigem. Darum ergeben sich aus der Betrachtung auch gleich Fragen wie: \u201eIst er in Wirklichkeit gro\u00df oder klein? Erleben Sie die Begegnung mit ihm wie das leichte Kitzeln einer Fliege?\u201c<\/p>\n<p>In Wirklichkeit ist er weder gro\u00df noch klein, er ist \u00fcberhaupt nicht messbar. In Wirklichkeit ist er nicht sichtbar f\u00fcr Augen, nicht greifbar f\u00fcr H\u00e4nde. Darum ist es ihm auch nicht m\u00f6glich, mich wie eine Fliege leicht zu kitzeln, obwohl er Menschen gern neckt. Meine Haut kann nicht sp\u00fcren und nicht gekitzelt werden von etwas, das stofflich gar nicht existiert. In Wirklichkeit kann er nicht so verfestigt auf dem Tisch stehen; er nimmt \u00fcberhaupt keinen Platz ein und ist an keinen Ort gebunden. Ich vermag niemals, ihn so darzustellen, wie er in Wirklichkeit ist.<\/p>\n<p>Warum habe ich es dann trotzdem versucht? Diese Frage stellen mir Besucher, wenn sie meine Wachsfiguren betrachten, und oft besch\u00e4ftigt sie mich auch selber.<\/p>\n<p>Wie ein Bild oder eine Geb\u00e4rde deutet die Gestalt vor mir auf dem Tisch hin auf das Wesen \u201eGnom\u201c. Sie ist Ausdruck f\u00fcr mein Erlebnis, meine Begegnung mit ihm. Aber sie kann anderen Menschen nicht die eigene Wahrnehmung ersetzen. Wer ein Lebewesen oder einen Gegenstand mit seinen \u00e4u\u00dferen Sinnen wahrnimmt und sich dazu die richtigen Gedanken bildet, kommt zu klaren Begriffen. Wer jedoch dasselbe versucht mit Abbildungen von Elementarwesen, macht sich falsche Vorstellungen von einer Welt, die etwas ist aus feinen, der \u00e4u\u00dferen Welt vergleichbaren Stoffen. Die so vorgestellt Welt ist gespenstisch, nicht geistig.<\/p>\n<p>Die Figur, die wie ein Bild oder eine Geb\u00e4rde auf das Wesen \u201eGnom\u201c hindeutet und so Ausdruck meiner Begegnung mit ihm ist, vermittelt dem unvoreingenommenen Betrachter eine Stimmung, ein neues Gef\u00fchl. Ich k\u00f6nnte von dem Gnom erz\u00e4hlen, anstatt ihn zu plastizieren. Aber auch dann w\u00e4re eine naturalistische Schilderung nicht m\u00f6glich, ich m\u00fcsste in Gleichnissen sprechen. Unsere Sprache eignet sich besser f\u00fcr die Beschreibung der \u00e4u\u00dferen, sichtbaren Welt. Schon seelische Erlebnisse , die einer inneren, unsichtbaren Welt angeh\u00f6ren, lassen sich oft nur bildhaft mitteilen. Manchmal werden uns Sprachbilder so zur Gewohnheit, dass wir sie gar nicht mehr als solche empfinden. Jemand hat es schwer, ein Stein liegt ihm auf dem Herzen. F\u00fcr das Gewicht, das ihn bedr\u00fcckt, gibt es keine Waage, und auch die Erleichterung nach der Depression ist nicht messbar. Was sich nicht in Sprachbildern oder Gleichnissen sagen l\u00e4sst, teilen Blicke und Geb\u00e4rden mit, vielleicht der Ton der Stimme, das Stocken der Rede, eine l\u00e4ngere Pause oder beredtes Verstummen. Und dann kann es geschehen, dass der zuh\u00f6rende Mitmensch die Hand des Schweigenden ergreift und das Unsagbare versteht durch alles, was wie ein Bild darauf hindeutet. Nicht mit dem Intellekt versteht er, aber indem er sich einf\u00fchlt in den andern.<\/p>\n<p>Etwas Verwandtes k\u00f6nnen wir uns vorstellen in der Begegnung mit Elementarwesen, ein einf\u00fchlendes Miterleben des geheimnisvollen Naturgeschehens. So stark kann dieses Einf\u00fchlen werden, dass es sich zu einer Art Bild verdichtet und hinweist auf etwas Wesenhaftes. Wer diese ersten, fl\u00fcchtigen Eindr\u00fccke immer wieder zu erleben sucht und sich so einstimmt auf ein tieferes Begegnen mit der Natur, kommt nach und nach vom Bild, vom Wesenhaften, zum Wesen. Nur gro\u00dfe Liebe und Hingabe kann zu diesem Ziel f\u00fchren.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>(Aus: Ursula Burkhard. Karlik. Begegnung mit einem Elementarwesen. Werkgemeinschaft Kunst und Heilp\u00e4dagogik, Wei\u00dfenseifen 1991, S. 5 ff; mit freundlicher Genehmigung des Verlages)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Dezember 2013 &#8222;Bild und Wesen Da steht er nun vor mir auf dem Tisch, greifbar als kleine Gestalt aus Wachs. 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