Wer nicht hören will …

„Eines erscheint mir sicher: In den kommenden Jahren wird die Natur uns Menschen sehr konsequent vor Augen führen, wie unverantwortlich wir seit langem mit ihr umgegangen sind.“

 

Liebe Leserin, lieber Leser!

Seit ich vor einem Jahr (Ostern 2019) das Buch veröffentlicht habe, dem obiges Zitat entnommen ist, haben sich so viele Naturkatastrophen ereignet, dass man den Überblick darüber verlieren könnte. Die schlimmste Heuschreckenplage in Afrika seit 70 Jahren z.B. haben wir von Europa aus vielleicht nicht einmal mitbekommen, die ungewöhnlich starken und anhaltenden Wald- und Torfbrände in Sibirien und Kanada womöglich schon wieder vergesssen. – Die Bilder vom brennenden Amazonas-Regenwald in Südamerika sowie der verheerenden Buschfeuer in Australien werden da vielleicht noch eher in Erinnerung geblieben sein.

Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, sind wir allerdings schon wieder von einem anderen Ungemach überrollt worden: einer Viruspandemie, die von europäischen Politikern unisono als „größte Katastrophe seit 1945“ bezeichnet wird. In Österreich begann der Ausnahmezustand passenderweise am Freitag, dem 13. März mit Hamsterkäufen fast wie im Krieg. Seither steht bei uns wie auch anderswo das öffentliche Leben still. Kindergärten, Schulen, Universitäten sind zu, die meisten Geschäfte geschlossen, alle Grenzen dicht. Der Flugverkehr kam weitestgehend zum Erliegen. Es fahren angeblich auch keine Containerschiffe mehr, viele Fabriken und die Arbeit stehen still! Und diese Stille breitete sich aus: Werktags hört man jetzt die Vögel singen wie sonst nur an Sonntagen.

Ein Frühling wie aus dem Bilderbuch – die Sonne scheint, Blumen und Bäume blühen, die Leute sitzen zu Hause. Man hat auf einmal Zeit: Seit 70 Jahren gab es nicht mehr so viele Menschen ohne Arbeit wie jetzt. Wer Glück hat, kann von daheim aus arbeiten oder wurde bei laufenden Bezügen freigestellt. Doch viele haben ihren Arbeitsplatz verloren: Um die Infektionszahlen einigermaßen unter Kontrolle zu halten, wurde der Unterbindung von Sozialkontakten oberste Priorität zuerkannt. Die Polizei bestraft, wer die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände nicht einhält. An öffentlichen Plätzen und im Supermarkt wirken die Menschen angespannt und tragen Atemschutzmasken: Man fürchtet sich vor Ansteckung.

Das alles ist das Werk der kleinsten aller bekannten Lebensformen, genauer gesagt: eines so kleinen Lebewesens, dass unter Wissenschaftlern umstritten ist, ob man es überhaupt bereits als Lebewesen bezeichnen kann. Ein Virus verfügt weder über einen Stoffwechsel noch über eine selbständige Fortpflanzung. Es ist somit eigentlich kein Lebewesen im üblichen Sinne, sondern gewissermaßen nur ein Materie gewordenes Schadprogramm, welches lebende Zellen dazu „umprogrammiert“, weitere Viren wie es selbst zu produzieren … und dabei zugrunde zu gehen. Schlimmstenfalls führt das im konkreten Beispiel zum Tod durch Lungenversagen.

Begünstigt wurde die schnelle und weltweite Verbreitung der Krankheit durch weitgehend unbeschränkten Reiseverkehr. Dazu kamen die schnelle Übertragbarkeit der Krankheit sowie ein in vielen Fällen leichter Verlauf: Zahlreiche Infizierte entwickeln kaum Symptome, wissen folglich selbst gar nicht, dass sie ansteckend sind und verbreiten die Krankheit um so schneller. Die meisten Infektionen verlaufen allerdings weitaus unangenehmer, und bei etwa 5% aller bestätigten Erkrankungen (Quelle: Wikipedia) führt das Virus zu so schweren Symptomen, dass eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus erforderlich wird. Fünf Prozent, das macht pro Million Erkrankter 50.000 Menschen – weitaus mehr, als bei dieser rasanten Ausbreitungsgeschwindigkeit (beinahe drei Verdoppelungen wöchentlich!) das bestaufgestellte Gesundheitssystem verkraften kann. Österreich z.B. hat rund 9 Mio. Einwohner, aber landesweit nur 2500 Intensivbetten und ist damit noch relativ gut ausgerüstet. Darum diese unerhörten, seit dem Krieg noch nie dagewesenen einschneidenden Maßnahmen, die zu ergreifen nahezu alle Regierungen weltweit sich gezwungen sehen … der noch vor wenigen Wochen unvorstellbare „Lockdown“, der mittlerweile aber Wirklichkeit geworden ist – mitsamt allen wirtschaftlichen Folgeerscheinungen, die man bewusst dafür in Kauf nimmt! Wie schnell die Dinge sich ändern können …

Die eindämmenden Maßnahmen sollen also bewirken, dass nicht zu viele Intensivpatienten gleichzeitig die Spitäler überlasten. Im Fall von Österreich dürften nach diesen Zahlen nie mehr als etwa 40.000 Personen gleichzeitig am Virus erkranken, um das Angebot an Intensivbetten nicht überzustrapazieren. Dadurch dauert es aber natürlich auch dementsprechend lange, bis in der Gesamtbevölkerung sich eine Immunisierung aufbauen kann: Dieses Virus wird uns wohl noch auf Jahre beschäftigen. Ganz so wie vor der Pandemie wird es vielleicht nie wieder werden. Sofern der Mensch lernfähig ist.

Wer nicht hören will, muss fühlen: Waren etwa die unbeschränkten Reisebewegungen, an die wir uns gewöhnt haben, per Flugzeug um die halbe Welt, für jedermann erschwinglich, aus ökologischer Sicht vertretbar? Die vielen Kongresse, Konferenzen, Tagungen in aller Herren Länder, die Teil des Wirtschaftsmodells zahlreicher Städte wurden – sind sie tatsächlich notwendig? Müssen wirklich auch im 21. Jahrhundert trotz Internet und Videotelefonie immer noch alle Teilnehmer an so einer Konferenz körperlich eingeflogen werden? Und war es sinnvoll, die Abwanderung von Schlüsselindustrien in Schwellenländer zuzulassen, nur weil dort Arbeitskräfte billiger und Umweltauflagen vielleicht lockerer sind? Engpässe bei Material- und Medikamentenlieferungen in der Krise waren die Folge. Wie viele Weckrufe wie diesen brauchen wir noch, um endlich aufzuwachen?

Denn Sars-CoV-2 ist ja durchaus nicht das erste Virus, das in jüngster Zeit vom Tierreich auf den Menschen übergewechselt ist: Aus dem gleichen Reservoir stammen auch HIV, Ebola, die Vogelgrippe, SARS, MERS, das Westnil- und das Zikavirus, um nur einige zu nennen. Und die Büchse der Pandora ist noch lange nicht ausgeschöpft. So gesehen, haben wir diesmal mit Covid-19 sogar eher noch Glück gehabt: Die Sterblichkeitsrate bei Ebola und SARS liegt mit 50% bzw. 20% ungleich höher …

Die Natur selbst sendet uns ein Zeichen. Wenn wir dem Leben Schaden zufügen, treffen wir letztlich damit uns selbst. Die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes von Wildtieren stört die Balance auf unserem Planeten. Gestresste Tiere verfügen nur mehr über eine geschwächte Immunabwehr, schrieb der Guardian vom 25. März und illustrierte diese und ähnliche Aussagen namhafter Wissenschaftler durch Bilder von Orang-Utans auf Borneo, die sich vor Bulldozern in Sicherheit zu bringen versuchen. Wenn solche und andere Tiere dann gefangen, in Käfige gepfercht transportiert und auf Märkten verkauft werden, wenn Menschen in Kontakt mit deren Körperflüssigkeiten und Exkrementen kommen, entsteht ein idealer Nährboden für alle Arten von Krankheiten. Covid-19 soll auf einem derartigen Wildtiermarkt in Wuhan von Fledermäusen auf den Menschen übergesprungen sein. Es wäre aber zu kurz gegriffen, als Lehre aus der Pandemie lediglich Wildtiermärkte zu schließen und den Handel mit Tieren stärker zu überwachen. Wir müssen endlich damit aufhören, die Natur wie bisher als Selbstbedienungsladen zu betrachten und uns über ihre Bedürfnisse rücksichtslos hinwegzusetzen: Wir sägen damit an dem Ast, auf dem wir selber sitzen!

Nature is sending us a message. – Die Natur sendet uns eine Botschaft: Die in den vergangenen Jahren sich häufenden Naturkatastrophen sind Ausdruck einer insgesamt immer mehr unter Druck geratenden Welt, die der Mensch infolge Misswirtschaft und Überbevölkerung ins Trudeln bringt, so sinngemäß die Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der UNO Inger Andersen im Guardian. So wie ein stotternder Motor dem geschulten Ohr des Mechanikers mitteilt, dass er nicht rund läuft, so zeigen uns Krisen und Katastrophen an, dass wir die Natur bereits bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit strapaziert haben. Und eine andere Möglichkeit zur Kommunikation als über Katastrophen lassen wir der Natur nicht. Was bedeutet, dass wir uns wohl oder übel auf mehr davon werden einstellen müssen.

Aus meiner Sicht war die Kommunikation zwischen uns Menschen und der Natur seit jeher ungenügend, wie ich für mein Buch recherchiert habe. Aber so schlecht wie heute war sie noch nie. Unseren Vorfahren war die Natur mit ihren personifizierten Kräften immerhin noch Gegenstand religiöser Verehrung, auch wenn dieselbe bereits zur Zeit der Hochkulturen (Babylon, Ägypten, Griechenland, Rom …) erkennbar zu starrem Formalismus verflachte. Die Vertreter des monotheistischen Christentums vermieden in weiterer Folge schon deshalb derartige Äußerungen religiöser Naturverbundenheit, weil die Anrufung naturnaher Kräfte und Wesen mit geächteten heidnischen Kulten im Zusammenhang gesehen wurde. Noch die Alchemisten (die Vorläufer unserer modernen Wissenschaftler) vermuteten aber noch vor wenigen Jahrhunderten überirdische Kräfte, die in der Materie tätig sind, und wollten sie sich nutzbar machen. In der Wahrnehmung ihrer frommen und von den Lehren der christlichen Kirche beeinflussten Zeitgenossen begaben die Forscher sich dabei in gefährliche Nähe zu dunklen, dämonischen Mächten. Dass ab dem 20. Jahrhundert Nachfolger der Alchemisten die Existenz überirdischer Mächte und Kräfte inklusive eines Schöpfers in der Mehrheit völlig negieren würden, hätte sich zu Lebzeiten des durch J. W. von Goethe unsterblich gewodenen „Doctor Faustus“ aber wohl kaum jemand träumen lassen. – Fragt sich, wer dem Einfluss des Mephisto tiefer verfallen ist: Der Alchimist von einst, der vor Magie und einem „Bund mit dem Teufel“ nicht zurückschreckt, um Macht zu erlangen, oder aber der materialistisch-atheistische Wissenschaftler von heute, der die Existenz alles Überirdischen in Bausch und Bogen verneint und als Ammenmärchen verspottet? –

Zur Zeit der alten Römer war es gesetzlich vorgeschrieben, dass vor einschneidenden Entscheidungen wie z.B. über Krieg und Frieden oder große Bauvorhaben die Götter zu Rate gezogen werden mussten. Auguren hatten nach einem ganz genau vorgeschriebenen Protokoll die Natur zu befragen, und die Zeichen, die im Rahmen einer solchen Erhebung vermerkt wurden, wie z.B. der Vogelflug, Blitze etc., wurden der Entscheidungsfindung zugrunde gelegt. Die alten Römer vertrauten also ganz selbstverständlich darauf, dass bewusste überirdische Mächte auf diese Weise den Menschen, die um Rat fragten, Winke zukommen ließen.

In solcher Art die Natur zu konsultieren, würde uns heutigen Menschen sehr sonderbar vorkommen. Das würde ich gern noch erleben, dass ein weltweit agierender Konzern heute sich durch ungünstigen Vogelflug daran gehindert sieht, Bodenschätze auszubeuten, wenn diese Gewinn versprechen und Arbeitsplätze schaffen! Wir legen heute unseren Entscheidungen keine Vorzeichen, sondern „Sachargumente“ zugrunde. Doch wie das so ist, haben wir bei diesen Argumenten natürlich vorwiegend die eigenen Interessen und Wünsche im Blick.

Wir sehen doch die Natur hauptsächlich als Rohstofflieferantin für unsere Wirtschaft! Nur das Materielle zählt für uns. Der Wald ist Holz, die Wiese Futter für das Vieh, der Boden je nachdem land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche, Immobilie oder Bergbaugebiet. Sogar bei an sich unproduktiver Nutzung der Landschaft wie beim Spazierengehen und Seelebaumelnlassen sehen wir uns Menschen im Mittelpunkt und „nutzen“ die Natur zur Naherholung. Als ob alles nur uns Menschen allein gehören würde! An unsere Pflichten der Umwelt gegenüber denken wir hingegen nicht.

Wir Materialisten von heute sind ja nicht einmal mehr bereit, den wirkenden Kräften in der Natur ein Bewusstsein zuzugestehen, weil wir glauben, dass Bewusstsein nur von materiellen Gehirnen erzeugt werden kann. Auf welche Weise könnte unter diesen Umständen die Natur uns heute überhaupt „eine Botschaft“ übermitteln? Wir lassen ihr gar keine Möglichkeit, anders als durch Katastrophen mit uns zu kommunizieren …

Die kleinste aller Lebensformen in der Natur (wenn wir einmal davon ausgehen, dass ein Virus doch schließlich irgendeine Art Lebensform sein muss) ist in der Lage, unser Sozialgefüge durcheinander und zum Stillstand zu bringen. Vielleicht sollte uns das zumindest ein wenig Respekt einflößen, dass wir in Zukunft etwas rücksichtsvoller mit unser aller „Mutter“ umgehen. Die Natur beherbergt uns Menschen hier auf diesem Planeten seit einigen wenigen Jahrmillionen. Vergessen wir über unseren wissenschaftlichen Errungenschaften nicht, wie unbedeutend wir in Wahrheit sind und wie völlig auf ihre Duldung angewiesen.

„Macht euch die Erde untertan…“ – Ist es dem Schöpfungsbericht der Bibel zufolge wirklich unsere Aufgabe, unser Recht und unsere höchste Bestimmung als Menschen auf der Erde, die herrlichen natürlichen Landschaften und Lebensräume auszubeuten, zu zerstören und mit unserem schädlichen Abfall zu vergiften? Achtung, Trugschluss: Schlechte und menschlich fehlerhafte Könige mögen in Gefahr sein, den Begriff „herrschen“ mit „unterdrücken“ zu verwechseln … obwohl doch jeder weiß, dass ein König „der erste Diener des Staates“ zu sein hat … Doch einer religiösen Überlieferung vom Range der Bücher Mose ist eine so fehlgeleitete Begrifflichkeit ja wohl nicht zuzutrauen.

Sich die Erde untertan zu machen (1. Mose 1,28) bedeutet aus meiner Sicht, sie in ihrer wunderbaren Gesetzmäßigkeit verstehen zu lernen, um sie dadurch erst richtig zu aller Wohl nützen zu können. Sie sachgerecht zu voller Entfaltung zu führen. Das tun wir aber nicht: Bei richtiger Benützung müsste die Natur in allen Ländern der Erde unter der Hand des Menschen aufblühen, an Fruchtbarkeit und Artenvielfalt zunehmen, würde uns ihre Geheimnisse und Wunder freiwillig und gern offenbaren, damit wir aufbauend sie und uns selbst immer mehr veredeln und in ihrer Schönheit unterstützen. Wir hingegen nehmen uns eigensinnig und gewaltsam, was wir wollen, und hinterlassen verwüstete, ausgebeutete und zerstörte Landschaften, die sich erst allmählich wieder zu erholen beginnen, wenn wir uns daraus zurückgezogen haben.

Als „Krone der Schöpfung“ tragen wir Menschen aber natürlich Verantwortung, die uns unterstellten Naturreiche umsichtig und zielbewusst zum allgemeinen Besten zu führen. Unsere Pflicht wäre es demnach also, dafür zu sorgen, dass Mineralien, Pflanzen und Tiere sich optimal entwickeln können. Ein hoher Anspruch! Aber nicht unmöglich. Voraussetzung wäre allerdings, dass der Mensch sich erst einmal seiner Verantwortung überhaupt bewusst wird. So lange man in den Tag hineinlebt, ohne über das Woher und das Wohin ernsthaft nachzudenken, wird man dem eigentlichen Sinn seiner Existenz schwerlich näherkommen können.

Die erste Hürde besteht schon in der Überwindung des Materialismus. Wir Menschen tragen zwar auf der Erde einen materiellen Körper und – damit verbunden – materielle Sinnesorgane. Unser Wesenskern (auch „Seele“ genannt) ist aber geistig. Der Begriff „Geist“ hat dabei nichts mit dem Denken zu tun, sondern bezeichnet eine immaterielle, überirdische Beschaffenheit. Nahtoderlebnisse dokumentieren eindrucksvoll die Existenz des Geistigen in der physisch-materiellen Welt. Unsere Aufgabe kann daher nicht sein, nur die Materie zu erforschen und sie in ihren physikalischen Gesetzmäßigkeiten zu begreifen, sondern wir sollen – und dazu sind wir auch befähigt! – das Materielle mit dem Geistigen verbinden.

Das Geistige muss aber – davon bin ich überzeugt – jeder erst selbst für sich entdecken. Weder starre religiöse Lehren, noch esoterische Schulungen, noch Erfahrungsberichte anderer können uns die Arbeit abnehmen, sich zu öffnen, den individuellen Zugang zu suchen und sich dann in aller Einfachheit auf den Weg zu begeben. Dann wird auch jeder für sich die beseligende Entdeckung machen, dass die Natur nicht nur durch Katastrophen mit uns Menschen kommunizieren möchte, sondern dass wir unser Glück, den Fortbestand unsrer Zivilisation sowie unseren Aufstieg selbst in der Hand haben: Indem wir den Gesetzen des Lebens folgen, die wir erkennen und verstehen lernen, sobald wir uns ernsthaft darum bemühen …

Eine solche „geistige Auferstehung“ wünsche ich uns allen!

Der Elfenfreund / Alvin

Simon A. Epptaler                                                              Ostern 2020

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Anderswelt oder vom Licht IN den Dingen

Allerheiligen und Allerseelen – zwei christliche Feste

Zu Allerheiligen  (1. November) ist es Tradition, die Gräber der Verstorbenen mit Kerzen und Lichtern zu schmücken.

Friedhof klein

Das Fest wurde als Gedenktag für alle „Heiligen, Apostel und Märtyrer“ im 4. Jahrhundert zuerst in der Ostkirche eingeführt und ursprünglich am ersten Sonntag nach Pfingsten, also im Frühsommer, gefeiert. Erst später wurde in der Westkirche der Termin auf den 1. November verlegt.

In der allgemeinen Wahrnehmung vermischt sich das Fest mit dem um etwa 500 Jahre jüngeren Fest Allerseelen (2. November), an dem der armen Seelen im Fegefeuer gedacht wird. Die römisch-katholische Kirche stellt in Aussicht, dass solchen durch Gebet und Fürbitte in bestimmter Weise geholfen werden könne (Allerseelenablass):

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Aus dem Stundenbuch der Katherina von Kleve: Ein Engel rettet fünf arme Seelen aus dem Fegefeuer. Utrecht, um 1440. Quelle: Wikimedia Commons

Halloween – die alten Kelten lassen grüßen

Nach altem Volksglauben, für den wohl der Begriff „Erlösung“ doch nicht konkret genug erschien, stiegen die Seelen der Verstorbenen hingegen am Allerseelentag aus dem Fegefeuer auf und ruhten für kurze Zeit aus. Für sie legte man Allerseelenbrote oder -zöpfe auf die Gräber, und auf den britischen Inseln entstand der Brauch, dass arme Kinder  Allerseelenkuchen erbetteln konnten. Irische Auswanderer brachten vermutlich diese Tradition nach Amerika, und von dort aus verbreitete sie sich seit den 1990er Jahren als „Trick or treat“-Heischebrauch („Süßes oder Saures“) auch im kontinentalen Europa.

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Der Jack O’Lantern, die Kürbislaterne, die zum Symbol für Halloween wurde, war ursprünglich eine ausgehöhlte Rübe. Er bezieht sich auf die irische Legende von Jack Oldfield, dessen verdammte Seele auf ewig mit einer solchen Rübenlaterne zwischen Himmel und Hölle umherwandeln muss. Das Licht soll vor dem Teufel und vor bösen Geistern schützen.

Das heute vor allem bei Kindern so beliebte Halloween-Brauchtum leitet sich zwar dem Namen nach vom katholischen Hochfest Allerheiligen ab (von All Hallows‘ Eve – der Abend vor Allerheiligen), doch finden sich inhaltlich wenig bis gar keine Bezüge zur Heiligen-Thematik. Viel eher eher ist die Nacht vom 31. Oktober zum 1. November traditionell eine Unruhnacht, deren ausgelassene Riten mit Streichen, Belästigungen und Ruhestörungen schon seit der frühen Neuzeit umstritten sind. Bereits im Hochmittelalter gab es Bestrebungen, einige Aspekte dieses besonders für die Landbevölkerung sehr wichtigen Festes von angenommenen oder tatsächlichen heidnischen Traditionen herzuleiten. Halloween

Samhain, das keltische Neujahrsfest

Aus mittelalterlichen Aufzeichnungen weiß man, dass in Irland in vorchristlicher Zeit das keltische Samhain-Fest genau am 1. November sowie bereits am Vorabend beginnend begangen wurde. Samhain ist eines der vier großen irisch-keltischen Feste und wurde als Beginn des keltischen Jahres gesehen. Wie auch bei Imbolc (1. Februar), Beltane (1. Mai – Walpurgisnacht) und Lughnasadh (1. August) wurde ganz besonders zu Samhain (die Bezeichnung wird übersetzt mit „Vereinigung“) angenommen, dass die Menschen einen Zugang zu den Wesen der „Anderen Welt“ haben, besonders zu den Bewohnern der „Elfenhügel“, die an diesen Tagen offenstehen. Weniger gut belegt ist die keltische Kultur in Kontinentaleuropa, wo die Kelten seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert (Hallstattkultur) sich über weite Gebiete verbreiteten. Doch auch in Kontinentaleuropa ist der Termin für Samhain bis ins 1. vorchristlichen Jahrhundert zurückverfolgbar. In ihrem Buch „Keltische Mythen – eine Einführung“ (Reclam, Stuttgart, 1994, 2016) schreibt Miranda Jane Green:

„Samhain war das Fest, mit dem der Tod des Sommers rituell betrauert wurde. Es markierte den Übergang zwischen zwei Perioden, das heißt, es fand in einer als gefährlich empfundenen Zwischenperiode statt, in der die normalen Gesetze von Zeit und Raum vorübergehend außer Kraft gesetzt waren. Die Grenzbarrieren waren aufgehoben: Geister der Anderswelt konnten auf der Erde wandeln, und menschliche Wesen konnten ihrem Reich einen Besuch abstatten.“

Ob es wirklich legitim ist, das Brauchtum zu Halloween/Allerheiligen/Allerseelen auf keltische Ursprünge zurückzuführen, ist umstritten. Die Thematik jedenfalls würde passen: Damals wie heute geht es um die Anwesenheit von Geistern in der physischen Welt, um die Vereinigung von Diesseits und Jenseits, oder modern ausgedrückt: um das Bewusstsein, dass die Trennung zwischen den für uns Menschen wahrnehmbaren und nicht wahrnehmbaren Bereichen des Seins nur durch unsere Sinnesorgane entsteht und folglich nur scheinbar, also in Wirklichkeit eigentlich gar nicht existiert. Die Kelten nannten diese Erfahrung „Anderswelt“.

Bevor ich den keltischen Begriff von Anderswelt näher behandle, muss ich zum besseren Verständnis zuvor ein wenig ausholen:

Diesseits und Jenseits – was ist das eigentlich?

Warum sprechen wir heute überhaupt von Diesseits und von Jenseits? – Was diesseitig ist und was jenseitig, hängt vor allem vom eigenen Standpunkt ab: Wir nennen alles das jenseitig, was wir – auch unter Zuhilfenahme jeglicher technischer Hilfsmittel – mit unseren irdischen Sinnen nicht erkennen können.

Gut, könnte man sagen, was man nicht erkennen kann, hat auch keinen Einfluss, ist folglich irrelevant. Wozu das Getue um Geister, Dämonen, Wesen und Elementarkräfte? An der Antwort auf diese Frage scheiden sich die Geister. Wahrscheinlich kann man den Sachverhalt am einfachsten mit Weltanschauung bzw. mit Religiosität im weitesten Sinne umschreiben. Manche Menschen glauben an überirdische Kräfte und Mächte, andere nicht. Der wissenschaftlichen Klärung entzieht sich die Kontroverse, weil die Methoden der Wissenschaft nicht geeignet sind, Geistiges zu untersuchen.

Meine persönliche Überzeugung ist, dass der Mensch nicht auf seine irdischen Sinne begrenzt werden kann. Mit anderen Worten: Aus meiner Sicht ist der Mensch selbst ein geistiges Wesen, eine Seele in irdischer Verkörperung. Der Körper, zu dem die irdischen Sinne ja gehören, ist nicht unser ganzes Wesen, sondern lediglich eine Hülle, in welche unser eigentliches lebendiges Wesen als Seele inkarniert wurde.

Zu Beginn ist diese Hülle in vielen Fällen noch locker und durchlässig. Kleine Kinder haben meist noch ein sehr ungezwungenes Verhältnis zu unseren irdischen Begriffen von Raum und Zeit! Doch die Hirnentwicklung schreitet voran und spätestens mit der Pubertät ist jeder heranreifende Mensch in der Regel doch mehr oder weniger „angekommen“ in den vier Dimensionen der Raumzeit. Unsere Sinnesorgane sind uns extra dazu mitgegeben, um uns Reize aus der irdisch-materiellen Umwelt zu Bewusstsein zu bringen! Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir lernen können, uns in dieser irdisch-materiellen Umgebung gefahrlos zu bewegen, darin zu überleben und Glück und Freude darin zu finden.

Wenn wir aber schlafen, ruht der Teil des Gehirns, mit dessen Hilfe sich unser Tagbewusstsein zusammensetzt. Was erleben wir während des Schlafes? An den allergrößten Teil davon können wir uns gar nicht erinnern, weil unser Tagbewusstsein in diesen Teilen des Gehirnes, deren Aktivität uns das Traumerleben im Tiefschlaf vermittelt, nicht beheimatet ist. Mit Träumen ist es sonderbar: Während ich träume, erlebe ich oft den Traum als kristallklar und logisch. Manchmal nehme ich mir mir vor, mir die Lehre daraus unbedingt merken zu wollen, weil sie für mich wichtig ist, und ich wache dazu sogar auf. Aber kaum bin ich erwacht, verschwimmt mir der Traum, ich kann die Logik darin nicht mehr erkennen, die Handlung erscheint mir beinahe lächerlich und schon nach wenigen Minuten habe ich große Teile davon vergessen.

Wahrscheinlich erinnern wir uns aber ohnehin nur an die Träume, die wir erleben, wenn wir nicht so tief schlafen oder wenn wir bereits wieder im Aufwachen begriffen sind, vermutlich deshalb, weil wir nur zu diesen Gehirnregionen, die dann bereits wieder ihre gewohnte Tätigkeit aufnehmen, überhaupt tagbewussten Zugang haben. Über unser seelisch-geistiges Erleben, also über das, was zutiefst in unserem lebendigen Wesenskern geschieht, haben wir wenig Bewusstsein. Ich stelle es mir so vor, dass wir nur diejenigen Ausläufer davon überhaupt registrieren, deren neuronale Auswirkungen bis in höhergelegene Hirnregionen reichen und damit bis zum Tagbewusstsein aufsteigen.

Mein Zugang zum Leib-Seele-Problem wäre also der, dass meiner Meinung nach der Geist oder die Seele im Körper und dabei natürlich vor allem im Gehirn des Körpers wirkt, sich von dieser Tätigkeit aber nur ein kleiner Teil im Tagbewusstsein – und das oft verworren und unklar – widerspiegelt.

Und … wenn wir sterben, verlassen wir unsere körperliche Hülle wieder. Zahllose Menschen, die sogenannte Nahtoderlebnisse hatten, als sie einmal beinahe gestorben wären und nur dank unserer fortgeschrittenen Medizin reanimiert werden konnten, berichten von sogenannten Ausleibigkeitserfahrungen. Sie blickten demnach von außen, und zwar meist von einer etwas erhöhten Position, auf ihren Körper herab, sahen die Ärzte, die sich um ihn bemühten. Manche Personen nahmen im Zuge solcher Ausleibigkeitserfahrungen auch Verstorbene wahr, die offenbar gekommen waren, um sie abzuholen oder um ihnen beizustehen. Ein helles, lichtes Wesen vermittelte die Empfindung von großer Geborgenheit, von Angenommensein und Liebe. Viele Schilderungen berichten ferner von einem Tunnel, der die sterbende Person in andere Bereiche des Seins brachte, und schließlich von einer Grenze oder Schranke, die sie nicht überqueren durfte, da sie beschloss, ins irdische Leben zurückzukehren. Nach dieser Entscheidung wurde sie ihrer Wahrnehmung nach von ihrem kranken irdischen Körper wieder „eingesaugt“, woraufhin sie nicht zuletzt auch alle Schmerzen ihrer irdischen Realität wieder fühlte. (Weitergehende Einzelheiten finden Sie in meinem Artikel: „Ein Tunnel, der ins Jenseits führt“ auf thanatos.tv, in dem auch der Begriff „Astralkörper“ besprochen wird.)

Der irdische Leib – Geschenk oder Gefängnis?

Seit ich mich mit Nahtoderfahrungen beschäftige, frage ich mich manchmal, was ich wohl um mich her wahrnehmen könnte, wenn es mir möglich wäre, die Beschränkungen des irdischen Gehirns abzustreifen und unmittelbar mit den Augen der Seele zu schauen, so, wie es den erwähnten Personen im Zuge ihrer Erlebnisse an der Schwelle des Todes geschah.

– Nicht dass ich unbedingt Wert darauf legen würde, dem Tod nahe zu kommen – bewahre nein! Eine körperliche Krisis, die geeignet wäre, den magnetischen Zusammenhalt zwischen Körper und Seele derart zu stören, dass die Seele und somit mein Bewusstsein aus dem Körper austritt, wünsche ich mir beileibe nicht! Nicht nur wegen der damit einhergehenden Schmerzen und sonstigen Unannehmlichkeiten: Da mir eine Existenz in Fleisch und Blut geschenkt ist, gehe ich davon aus, dass ich diese auch nötig habe, sie wahrscheinlich für meine seelische Entwicklung und Reifung brauche. Allein schon deshalb würde ich mich hüten, ein geschenktes Erdenleben gering zu schätzen oder es gar mutwillig zu schädigen.

Darum habe ich auch zu Hellseherei, Schamanismus oder Channeling etc. ein eher zwiespältiges Verhältnis. Natürlich interessiert es mich, was in dieser Richtung begabte Personen auszusagen haben, sofern ich sie für seriös halte; deshalb beschäftige ich mich auch mit Naturwesen und lese die entsprechende Literatur. Aber gerade weil ich mich  eingehend und auch ernsthaft mit derartigen Dingen befasst habe, weiß ich auch, wie subjektiv mediale Erfahrungen sind. Ich würde davon abraten, mediale Schauungen, Prophezeiungen etc. allzu wörtlich zu nehmen! Vor allem sollte man akzeptieren, dass heutzutage nur wenige Personen wirklich begabt und berufen sind, als Medium eine Art Brücke zum Jenseits zu bilden. Jede künstliche Nachhilfe zur sogenannten Erweiterung des Bewusstseins, sei es durch Hypnose, durch Meditation etc. oder gar durch Einnahme bestimmter Substanzen sehe ich sehr kritisch. Weiterführende Gedanken zu diesem Thema finden Sie in meinem Aufsatz „Über das Hellsehen“ auf diesem Weblog.

Nein, es besteht meiner Meinung nach absolut keine Notwendigkeit, um jeden Preis selbst hinüberschauen zu müssen in jenseitige Bereiche.

Wenn aber andererseits manche Menschen gar nichts wissen wollen von Phänomenen, die nicht ins gängige Weltbild passen und nur Spott und Häme dafür bereithalten, finde ich das auch nicht richtig. Das wäre ja so, als würde man mit Scheuklappen durchs Leben gehen! Sich neben allen irdischen Notwendigkeiten auch für geistige Gesetzmäßigkeiten, für die Frage nach dem „Woher“ und dem „Wohin“ zu interessieren, gehört meiner Ansicht nach zu einem sinnerfüllten Leben auf diesem wundervollen Planeten unbedingt mit dazu.

In diesem Sinne – und nur in diesem Sinne! – bitte ich Sie, mich anlässlich des Festes Allerheiligen/Allerseelen/Samhain/Halloween auf ein kleines Gedankenexperiment zu begleiten.

Und damit zurück zum keltischen Begriff „Anderswelt“:

Ein (virtueller) Besuch in der Anderswelt

Stellen wir uns vor, wir könnten unseren Erdenkörper abstreifen wie ein Stück Stoff, sagen wir: wie einen Mantel – was würden wir wahrnehmen?

Lassen Sie mich das präzisieren: Mein Körper liegt im Bett oder sitzt auf einem Stuhl, es ist, als wenn er schliefe. Der Astralkörper oder auch Energiekörper, der das Bindeglied der Seele zum Körper darstellt, verbleibt im Körper. Die Seele lockert sich aus dem Astralkörper und tritt aus. (Das ist übrigens, vermute ich, der Unterschied zu einer Ausleibigkeit im Zuge einer klassischen Nahtoderfahrung, wenn der Körper keine Lebenszeichen mehr hat – dort ist aufgrund der körperlichen Krisis der magnetische Zusammenhalt zwischen dem Astralkörper  und dem Körper verlorengegangen. Die Seele tritt mitsamt dem Astralkörper aus dem Körper aus, was eine dichtere, den irdischen Verhältnissen näher stehende Wahrnehmung zur Folge hat.)

Ohne Körper und Astralkörper stehe ich bzw. steht meine Seele nun in der feinen Grobstofflichkeit. Was nehme ich wahr?

Vermutlich vorwiegend in „zivilisierten“ Gebieten, wo viele Menschen wohnen, gar nicht wenig Unschönes und Dunkles, weil die feinere Umgebung der Erde durch menschliche Einflüsse verdunkelt ist. Verdunkelnde menschliche Einflüsse, das sind: Gedankenformen, also die geformten Energien menschlichen Denkens … Gedankenmüll gewissermaßen, und Dämonen, das sind Erzeugnisse destruktiven menschlichen Wollens, also übelwollende Verkörperungen menschlichen Hasses, Neides, Zorns etc., die über den Menschen lagern. Und dann nicht zu vergessen auch noch erdgebundene Menschen selbst, also die Geister solcher Verstorbener, die sich noch nicht von der groben Stofflichkeit lösen konnten und daher die astrale Umgebung der Erde bevölkern.

Alles in allem eigentlich keine besonders erstrebenswerte Aussicht! Kein Wunder, dass auch unsere Kinder zu Halloween nicht Heilige und Helden, sondern traditionell Geister, Vampire, Monster und Dämonen verkörpern …

Alle diese dunklen Gebilde würden mir vermutlich feindlich gegenübertreten, sobald ich meinen schützenden Körper verlasse und mich dadurch ihren Einflüssen gegenüber öffne, weil sie ja böse sind und mir daher von Natur aus schaden wollen. Schon möglich, dass die geistige Kraft eines Menschen, vor allem bei bewusstem, gutem Wollen, derartigen Kreaturen überlegen ist, aber als völlig unerfahrener Neuling auf astralem Boden würde ich möglicherweise schwere Schäden davontragen … wenn nicht, wie bei den Nahtoderfahrungen der Sterbenden,  jemand kommt, um mir beizustehen. –

Aber angenommen, ich hätte die nötige Erfahrung, und der lichte Schein des bewussten guten Wollens würde hell und rein aus meiner Seele strahlen, sodass ich von Dunklem nicht behelligt würde … dann könnte ich in die Natur schweben und dort meine elementaren Freunde aufsuchen. Ich könnte die Naturwesen als geformte, bewusste Geschöpfe wahrnehmen und mit ihnen kommunizieren.

Aufgrund der feinen Beschaffenheit meiner Seele könnte ich zum Beispiel in einen Berg eintreten.

Durch das Grobstoffliche des Berges könnte meine Seele einfach hindurchgleiten, aber natürlich besteht der Berg nicht nur aus dem groben Gestein, das wir Menschen irdisch wahrnehmen können, sondern besitzt ebenso wie der menschliche Körper feinere, alstrale Anteile, sozusagen eine energetische Gestalt. Und auf dieser feineren, energetischen Ebene des Berges, die meiner nunmehrigen astralen Beschaffenheit gleichartig wäre, formen sich unter anderem die Elementarkräfte, das sind die Wesen, die den Berg beseelen, ihre Wohn- und Arbeitsstätten. Ich stelle mir eine Pforte vor, an die ich klopfe, ernste strenge Wächter, dann weite, lichte Hallen und Gänge, Kristalllichter und durchaus auch leuchtende Schätze oder jedenfalls deren energetische Urbilder, wie es ja in vielen Märchen davon die Rede ist.

Jede grobstoffliche Blume wäre wie der Eingang zu einer eigenen Welt, zur Welt der diese Blumenart beseelenden Elementarkräfte. – Aus ihrem Blumenkelch winkt mir die Elfe zu: „Komm doch herein zu mir!“ Ich trete oder schwebe näher, oder besser gesagt, ich richte meine Aufmerksamkeit dorthin, mein Wollen … und schon erfasst mich ein Sog, vielleicht ein starker Luftzug und ich tauche durch den Blumenkelch hinein … und finde mich wieder  in einer anderen Welt, in einer weiten Landschaft voll lichter Schönheit, Duft und Farbe, Wärme, Frohsinn, Vogelsang… Die Zeit ist dort schneller als auf der Erde, darum kann die Elfe ihre Aufmerksamkeit auf viele einzelne irdische Blumen zugleich richten… Von dorther kommen die Elfen, wenn sie die irdischen Blumen besuchen, um sie zu pflegen, und dorthin geht es weiter in immer höhere Reiche, wohin auch die kleinen Blumenelfen noch keinen Zutritt haben, wohin sie aber voll Andacht und Sehnsucht blicken bis in die lichten Regionen, wo die ewigen Urbilder dieser Blumenart klingend strahlen und wo deren Königin huldvoll herrscht…

Das, glaube ich, meinten so ungefähr die Kelten mit „Anderswelt“.–

Was ist Anderswelt?

Hier zum Vergleich eine wissenschaftliche Definition des Begriffes, wie ich sie im Internet gefunden habe; ich finde, dass beide Zugänge sehr gut miteinander kompatibel sind:

Die Anderswelt, auch Anderwelt, Andere Welt, Anderes Land ist in der keltischen Mythologie der auf einer anderen Ebene existente Wohnort verschiedener mystischer Wesen und mythischer Personen. Die Anderswelt ist unmittelbar neben der vertrauten Welt der Menschen in Hügeln, auf Inseln und am Grunde von Seen und des Meeres angesiedelt. Der Zugang, z. B. durch Höhleneingänge, ist den Normalsterblichen nur unter bestimmten Bedingungen – mit oder ohne Einverständnis der Anderswelt-Bewohner – möglich.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen der keltischen Anderswelt und den sie zeitlich und räumlich umgebenden mythologischen Jenseitsvorstellungen anderer Kulturen besteht darin, dass sie nicht nur von den „Göttern“ und deren „Helfern“ betreten und verlassen werden kann, sondern dass dies auch den Menschen möglich ist – sei es im Verlauf ihres diesseitigen Lebens oder danach.

In den germanischen (Walhall), griechisch-römischen (Elysion und Unterwelt), christlichen (Himmel und Hölle) und anderen zeit- oder ortsbezogenen Jenseitsvorstellungen sind die Toten für immer dort festgehalten. Seltene Besuche Lebender (Odysseus, Orpheus) werden allerdings erwähnt.

Der keltischen Vorstellung ist demgegenüber ein nach dem Tode jedem Menschen zugängliches oder gar auf ewig zugewiesenes Totenreich ebenso fremd wie der Gedanke einer Belohnung oder Strafe im Jenseits. Man glaubte eher an bestimmten Zyklen und Abfolgen unterworfene Übergänge in andere Daseinsformen innerhalb der diesseitigen Welt als Regel, wobei auch Bäume und andere Pflanzen eine wichtige Rolle spielten.

Die Erwähnung der Anderswelt in keltischen Mythen ist dabei wesentlich häufiger und gewichtiger als in den Mythologien angrenzender Kulturkreise. Hier wird ein reger Kontakt alles Irdischen mit dem Mythischen betont. Es gibt im Keltischen kaum die übliche Trennung zwischen Menschen, Heroen, Ahnen und Göttern und auch nicht zwischen dieser und der Anderen Welt.

Nach keltischer Vorstellung gibt es nicht nur Schwellenorte, wo ein Übergang oder eine Verbindung der Welten möglich ist. Darüber hinaus kommen sie sich in zyklischen Abständen an bestimmten Schwellenzeiten besonders nahe, was Chancen, aber auch Gefahren mit sich bringt. Die bedeutendsten im Jahresverlauf markierten die keltischen Hochfeste wie Samhain. Einerseits konnte man ungewollt in die Anderswelt geraten, andererseits Bewohner der Anderswelt (Feen, Elfen, Kobolde, Wiedergänger usw.) in der diesseitigen erscheinen und Schaden anrichten oder Segen bringen.

Die antike Vorstellung von der Anderswelt ist vermutlich über die keltischen Sagen und Erzählungen, tradiert durch das Mittelalter, in den Begriff der Anderen Welt der Europäischen Märchen eingeflossen. Bis in unsere Zeit ist die Idee des Jenseits-Landes ein Motiv besonders der Volkserzählungen geblieben (z. B. Frau Holle, der Glasberg in den „Sieben Raben“, u.v.m.).

(Quelle: Wikipedia, Stichwort: „Anderswelt“; weiterführende Gedanken zum Märchen „Frau Holle“ finden Sie über den entsprechenden Link.)

Ich würde mit Bestimmtheit annehmen, dass das Tagbewusstsein von Menschen früherer Jahrtausende, wenigstens hier und da, „tiefer“ reichte als es bei uns heute der Fall ist und dass dann der Unterschied zwischen Tagbewusstsein und Traumbewusstsein weniger stark ausgeprägt war, als es bei uns Heutigen der Fall ist. Träumen wurde im Altertum ja noch große Bedeutung zugemessen, während sie uns heutzutage nicht mehr viel geben; ich gehe davon aus, dass das seinen Grund hat. Möglich, dass frühere Menschen z.B. im Schlaf leichter als wir modernen Menschen die Fesseln des irdischen Körpers lockern, zeitweise abstreifen und sich nach Erwachen des im Traum Erlebten bewusst bleiben konnten. Zumindest ansatzweise ist diese Fähigkeit ja sogar bei einigen wenigen Menschen von heute noch vorhanden.

Margot Ruis, Erla Stefánsdóttir und Marko Pogacnik: drei zeitgenössische Besucher in der Anderswelt

Bleiben wir bei Naturwesen und lassen Sie mich als Beispiel drei Zitate bringen aus Büchern heutiger Naturwesenkenner. Ein sehr schönes Beispiel für Anderswelt – und im Gegensatz zu meinem obigen Gedankenexperiment nach eigener Aussage wirklich erlebt – beschreibt Margot Ruis in ihrem empfehlenswerten Buch „Naturwesen – Begegnung mit Freunden des Menschen“ (Anmerkung: Margot Ruis bezeichnet den Baumelfen mit der indischen Bezeichnung „Deva“):

„Wir machten eine kleine Wanderung im Wienerwald, wobei meine Freude an der Natur von schlimmen Kreuzschmerzen, die mich seit einigen Tagen quälten, beeinträchtigt wurde. Am Rande einer kleinen Lichtung fiel uns eine besonders schöne und starke Eiche auf, und wir blieben stehen, um sie zu begrüßen. Der Deva hatte das Aussehen eines etwa fünfundfünfzigjährigen, sehr großen Mannes mit schulterlangem, graubraunem Haar und trug ein unauffälliges, erdfarbenes Gewand. Seine Ausstrahlung war eine eindrucksvolle Mischung aus konzentrierter Kraft, Herzenswärme und freundlicher Offenheit, also zweifellos sehr anziehend.

Ich folgte seiner Einladung, näherzutreten, legte meine Hände an den Stamm und ließ durch sie Schwingungen der Freude, der Liebe und des Dankes fließen. Dann lehnte ich mich mit dem Rücken an den Stamm und spürte, daß der Baumelf hinter mir stand und mich umarmte, mit seiner Energie einhüllte. Ich ließ mich in den Stamm hineinsinken und fand mich in einem runden Raum wieder. Auf einem glatten, festen Erdboden standen ein roher Holztisch und zwei Bänke. In der Dimension des Elfs, in die ich Eingang gefunden hatte, war das offensichtlich seine Stube.

Als ich den Deva fragte, ob er mir mit meinen Kreuzschmerzen helfen könne, drehte er mich um, beugte meinen Oberkörper nach vorn und begann, von meinem Rücken etwas zu entfernen. (…)

Zum Abschied riet er mir, ich solle es nicht in Gedanken festhalten, daß die Wirbelsäule krank sei, sonst würde sich das Geflecht wieder bilden. Ich dankte dem Baumdeva sehr für seine Hilfe und kehrte in meinen am Stamm lehnenden grobstofflichen Körper zurück. Dem ging es mittlerweile bedeutend besser, und während ich mich vorher nur ziemlich steif und vorsichtig bewegen konnte, tänzelte ich nun durch den Wald, daß es eine Freude war! Das blieb nicht die einzige, aber die spektakulärste Heilung, die ich von einem Baumelf erfahren durfte.“

(Aus: Margot Ruis, Naturwesen – Begegnung mit Freunden des Menschen. Anna Pichler Verlag, Wien, 1994, S. 20ff. Das Buch ist in 6. Auflage im Grals-Verlag erhältlich.)

Auch das isländische Medium Erla Stefánsdóttir schildert Anderswelt-Erfahrungen ganz im Sinne der obigen Definition. Island ist ja bekannt dafür, dass hier der Glaube und der Bezug zu Naturwesen wie Elfen und Gnomen (Huldufólk = verborgenes Volk) erhalten geblieben ist. Dass Menschen und Elfen in unmittelbarer Nachbarschaft nebeneinander leben, ist ein in Island stark verwurzelter Volksglaube. Manche von Erla Stefánsdóttirs Anderswelt-Schilderungen klingen geradezu befremdlich zeitgemäß:

“Elfen arbeiten auf dem Land und auf dem Meer. Man sieht sie beim Fischfang oder bei Arbeiten in der Landwirtschaft, so wie das früher üblich war. Genau wie das Huldufólk (die Verborgenen) besitzen auch sie alle möglichen modernen Maschinen in ihren Ländereien. Ihre Fahrzeuge sehen aus, als blicke man in die Zukunft bei uns Menschen. Es gibt sogar Wagen auf Schienen über der Erde. Elfen wohnen in feinen Häusern, die moderner als die elegantesten Häuser der Menschen sind. Sie wohnen in Schlössern, Villen oder Häusern mit einem Grasdach, auch in Reihenhäusern, doch Mehrfamilienhäuser gibt es nur ganz wenige. Ihre Kirchen sind schön, man kann sie kaum von den Kirchen des Huldufólks unterscheiden, weil sie in derselben Dimension sind. Elfen haben Schulen und Kunstgalerien. Sie haben Musiksäle und lieben den Gesang. Bei ihnen gibt es Kinderheime und Altersheime, doch sie sind so schlau, solche Heime zusammenzulegen.”

(Erla Stefánsdóttir, Erlas Elfengeschichten. Verlag Neue Erde, Saarbrücken 2011, S. 19)

Das dritte Zitat ist illustriert und Marko Pogacniks bekanntem Buch „Elementarwesen – Begegnungen mit der Erdseele“ (AT Verlag, Baden und München, 2009, S. 136f.) entnommen. Wir danken herzlich für die freundliche Genehmigung!

Pogacnik, Cernunnus002

Als Pan bezeichnet Marko Pogacnik ein hohes Erdwesen, welches das elementare Geschehen einer ganzen Landschaft leitet. Dora van Gelder hätte es vermutlich „Engel“ genannt.

Zu seinem Bild schreibt der Autor:

„(…) Der Fokus des Pans im Hirschpark bezieht sich meiner Einsicht nach auf eine weit zurückliegende Zeit, als an diesem Ort ein heiliger Hain der Kelten stand. Noch ganz vom Geist der letzten ihn noch verehrenden Epoche geprägt, zeigte sich mir der Pan des Hirschparks in der Gestalt des keltischen Cernunnos mit dem Hirschgeweih und den charakteristisch untergeschlagenen Beinen, wie er auf dem berühmten Kessel von Gundestrup zu sehen ist.“

(Marko Pogacnik, Elementarwesen – Begegnungen mit der Erdseele. AT Verlag, Baden und München, 2009, S. 136)

Wie „wahr“ ist die Wahrnehmung?

Ein Landschaftswesen in Gestalt des keltischen Cernunnos, noch dazu in klassisch-keltischer Pose. Die alten Kelten lassen grüßen! Damit klingt zum Schluss noch einmal deutlich ein Thema an, das meiner Meinung nach bei jeglicher Beschäftigung mit jenseitigen Inhalten nicht vergessen werden darf: die feinstoffliche Wahrnehmung ist  immer mehr oder weniger subjektiv gefärbt. Warum das so ist? Wir können darüber nur spekulieren. Auch in der (Quanten-)Physik hat man festgestellt, dass es nicht möglich ist, einen Sachverhalt experimentell zu beobachten, ohne dass der Beobachter an dem beobachteten Geschehen mit beteiligt ist. Vielleicht ist es hier ähnlich. Ich würde den Sachverhalt so formulieren: Das Medium kann nicht anders, als das Geschaute im Spiegel seiner eigenen Erfahrungen, seiner Kultur, seiner Persönlichkeit und Geistesreife wahrzunehmen. In meinem Artikel „Wesen und Form“ vom März 2014 habe ich versucht, diesem Thema nachzugehen.

Cernunnos:Kessel von Gundestrup

Cernunnos auf dem Kessel von Gundestrup (La-Tène-Zeit, 5. – 1. Jhdt. v. Chr.)

Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Malene

Damit soll aber nicht ausgedrückt sein, dass die feinstoffliche Wahrnehmung durch medial begabte Menschen nicht ernst zu nehmen oder unwichtig sei. Im Gegenteil! Wir brauchen die Ausblicke auf diejenigen Gebiete des Seins, die wir mit unseren irdischen Sinnesorganen nicht erkennen können, damit wir nicht vergessen, wie klein, wie unbedeutend unser Wissen über das Universum heute noch immer ist. Die Suche nach Wahrheit muss immer weiter gehen! Nicht nur irdisch-wissenschaftlich, sondern auch ethisch, moralisch und spirituell. Je mehr unsere innere Reife als Menschheit dabei voranschreitet, je bewusster uns die Gesetzmäßigkeiten werden, die im sichtbaren wie auch im unsichtbaren Teil des Weltalls herrschen, desto klarer und wahrer wird auch das Bild werden, das wir uns von den Teilen des Universums machen können, die unseren irdischen Sinnen nicht zugänglich sind.

Nebel klein

– Auch wenn zu Samhain der „Tod des Sommers“ zu beklagen ist, auch wenn spätestens ab Allerheiligen uns die Novembernebel wieder fest im Griff haben: Die Nebel lasten nur auf den Niederungen! Wollen wir nie vergessen, dass die Wirklichkeit größer und wunderbarer ist als der äußerliche Augenschein!

Blicken wir stets auf das Licht – auf das Licht IN allen Dingen, das Licht, aus dem alle grobstofflichen Dinge erst entstanden sind!

Der Elfenfreund                                                                               November 2016