Das vielleicht älteste illustrierte Menschheits- und Religions-Geschichtsbuch der Welt …

… stellen die insgesamt bis zu 300.000 Felsbilder dar, die im norditalienischen Valcamonica auf einer Strecke von 25 Kilometern entlang des Tals verteilt und auf Höhen zwischen 20 und 1400 m über dem Meeresspiegel teilweise noch versteckt liegen. Die Felsbildregion war im Jahre 1979 das erste von der UNESCO als Welterbe anerkannte Objekt in Italien. Anlässlich des 8. Geburtstages dieses Weblogs, das bekanntlich zu Erntedank 2012 erstmals „on air“ ging, möchte ich für dessen LeserInnen ein paar Seiten aus diesem „Geschichtsbuch“ der ganz besonderen Art aufblättern. Dabei stütze ich mich als Text- und Bildquellen auf Wikipedia sowie auf Wikicommons.

Das Valcamonica bei Breno

Die ältesten der Felsbilder sind 12.000 Jahre alt und reichen somit zurück bis zum Ende der letzten Eiszeit. Sie sind mit Jagdpraktiken und -ritualen verbunden und zeigen anfangs unter anderem noch den Elch, der zu Beginn des Nacheiszeitalters in der Region ausgestorben ist.

In der Jungsteinzeit wanderte darauf eine neue Bevölkerung ein und verdrängte die angestammten Jäger und Sammler. Trotzdem wurden die Felsritzungen fortgesetzt, wenn auch mit verändertem Stil. Die „Eintragungen“ enden erst in römischer Zeit, obwohl vereinzelt auch Felsen mit christlichen Motiven vorkommen. Im Mittelalter und in späterer Zeit dürfte es sich nur noch um profanen Zeitvertreib von Hirten gehandelt haben.

Bereits während des norditalienischen Neolithikums (6000 bis 3300 v. Chr.) jedenfalls wurden unter anderem schematisierte menschliche Figuren mit erhobenen Armen (sogenannte Adoranten) dargestellt. Diese Abbildung ist zwar nicht ganz so alt, dafür gut zu erkennen:

Wie der Punkt zwischen den Beinen anzeigt, handelt es sich bei den hier dargestellten Personen um Frauen. Die erhobenen Arme werden als Gebetshaltung interpretiert, wie wir das auch noch aus viel jüngeren antiken Darstellungen kennen:

Betender Knabe, Griechenland um 300 v. Chr.

Auf den Felsbildern des Valcamonica wurden die Betenden oft in Verbindung mit einem zweiten anthropomorphen Wesen dargestellt, also etwa einem Wesen mit Menschengestalt, aber einem Tierkopf. Diese Wesen sind von Historikern als Götterbilder interpretiert worden. Hier ein Beispiel aus keltischer Zeit:

Ein Mensch und das von ihm als Gott verehrte Wesen Cernunnos

Manche der abgebildeten anthropomorphen Wesen erregten aber unter Parawissenschaftlern Aufsehen, weil sie als Abbildungen von Astronauten aufgefasst wurden. (Zum Thema der Prä-Astronautik siehe übrigens auch den Beitrag „Das  ‚fowle‘ unterirdische Elfenreich des Eoin Colfer“ vom 25. Februar 2020)

Wie man sieht, scheinen die Köpfe mancher Figuren von einer Art Nimbus (also einem Heiligenschein) umgeben zu sein.

Die berühmte Camunische Rose, das offizielle Symbol der Region Lombardei, darunter ein Wesen mit Menschengestalt, Tierkopf (?) und „Heiligenschein“

Auf den Felsbildern kann man die technische Entwicklung der Menschheit nachvollziehen, denn natürlich wurden auch jeweilige neue Errungenschaften „verewigt“: Bogen, Pflug, Tierfalle und Webstuhl, später auch Karren und Wagen sowie erste Metallverarbeitung. Wir begegnen dem Pferd als neuem Haustier, Metallverarbeitung und Weberei werden dargestellt. Die Etrusker führten schließlich ein Alphabet ein. Kampfszenen Mann gegen Mann gibt es als Felsbilder verewigt übrigens erst ab der Bronzezeit (2500 bis 1200 v. Chr.). Sowohl ihr technischer Aufschwung, als auch die gleichzeitige moralisch-spirituelle Rückentwicklung der Menschheit ist somit den Felsbildern des Valcamonica über die Jahrtausende hinweg deutlich abzulesen.

Den Versuch einer zusammenhängenden Religionsgeschichte von allem Anfang an bis heute unter Berücksichtigung der natürlichen Gegebenheiten findet der/die interessierte Leser/in in meinem Buch „Das Überirdische in der Natur – Warum die Menschen immer schon an Elfen glaubten und wieso wir ohne Naturwesen nicht überleben können“.

Zum Abschluss noch ein praktischer Tipp: Probieren auch Sie, wenn Sie allein sind, einmal die Gebetshaltung mit erhobenen Armen – ich finde sie sehr natürlich. Mir scheint, die ausgebreitet erhobenen Arme führen leichter zu einer Anbetung hin als die bittend gefalteten Hände, die in den vergangenen Jahrhunderten in unserer Kultur üblich geworden sind …

An wen auch immer Sie Ihre Gebete richten mögen: Im Endeffekt kann uns in allem grassierenden Materialismus nur das Wissen aufrecht erhalten, dass wir geistig sind!

Das weiß und das wünscht Ihnen sehr herzlich

Der Elfenfreund / Alvin

Simon A. Epptaler                                                                      zum Erntedankfest 2020

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